Milan

Milan war mein absoluter Traumhaflinger und mein erstes eigenes Pferd 2009. Es war eine reine Bauch- und Herzensentscheidung, was sich kurze Zeit später bemerkbar machen sollte. Ich fand ihn wunderschön: seine hellblonde Mähne, sein grober Körperbau – eben vom „alten Schlag“, wie man so gerne sagt. Leider konnte er so gut wie nix… Er trug brav jedermann durch die Gegend – aber nur, wenn ein Pferdehintern vor ihm war und ihm Sicherheit gab. Von Schenkel- und Gewichtshilfen hatte er noch nie etwas gehört. Die Menschen waren ihm suspekt. Ich glaube auch tatsächlich, dass er von dieser Spezies nicht viel hielt. Glücklicherweise hatte er allem Anschein nach wenigstens keine weiteren schlechten Erfahrungen mit Menschen gemacht, was mir die Arbeit mit ihm erleichterte. Dennoch traute er seinen Pferdefreunden unterm Strich mehr als mir. Das sollte ich schnell zu spüren bekommen: Denn ohne seine Pferdefreunde ging er nirgends hin. Allein spazieren gehen war nicht möglich. Er ging keinen Schritt. An Reiten war da nicht zu denken. Ich war völlig frustriert. Also musste ich mir etwas einfallen lassen, denn Aufzugeben kam nicht in Frage. Ich begann, diverse Bücher zu lesen. Was mir besonders half, war der Ansatz von Michael Geitner „Be strict“. Ich verschlang dessen Bücher und konnte mich mit dieser konsequenten Art unheimlich gut identifizieren. Und weil ich bei meinem Hund gute Erfahrungen gemacht hatte, versuchte ich es bei Milan außerdem mit dem Clickern. Das war der Durchbruch! Endlich hörte mir Milan zu. Alles bekam für ihn plötzlich einen Sinn. Mittlerweile clickere ich seit einigen Jahren nicht mehr. Was Milan aber nach wie vor braucht, ist der Sinn hinter einer Sache. Es muss für ihn eine Logik haben. Deshalb ist Platzarbeit für ihn extrem nervtötend, wobei er geduldig alles tut, was ich von ihm möchte. Aber dieses „Im-Kreis-Herum“ ist nicht wirklich seine Welt. Im Gelände ist und bleibt er ein kleiner Angsthase, der sehr viel Sicherheit braucht. Er hat mich gelehrt, wirklich Verantwortung für ein Pferd zu übernehmen, da er in jeder Sekunde meine Aufmerksamkeit beansprucht und die Rückversicherung braucht, dass wirklich alles in Ordnung ist. Unsere Bindung ist gut, aber wir sind noch lange nicht am Ende. Und das ist auch gut so.

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