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  • Katharina Harenberg

Von der inneren Haltung und Einstellung...

Wie unsere innere Haltung unser Reiterleben beeinflusst


Mein erster Blogartikel erzählt von der inneren Einstellung, die jeder Pferdehalter gegenüber seinem Liebling hat oder haben sollte. Er handelt von Gefühlen, die nicht nur positiv sind. Behandelt die Frage, wie die Umstände unsere Emotionen beeinflussen und wie wir es schaffen, nicht unter den unterschiedlichen Emotionen leiden zu müssen. Denn auch die negativen Gefühle sind da. Es ist nicht alles ausschließlich rosarot, nur weil endlich das eigene Pferd angekommen ist.


Von Träumen, Erwartungen und Kollision mit der Realität


Anfangs kochen die Gefühle über, Vorfreude mischt sich mit Angst, ob auch alles gut gehen wird. In seinen Träumen galoppiert der frisch gebackene Besitzer bereits mit seinem besten Freund über die Stoppelfelder, während in der Realität unsere Fellnase gerade durch die Stromlitze flitzt, um das Grün auf der anderen Seite zu erwischen. Das ist frustrierend, das macht wütend. Wie schaffen wir es also, den Mut nicht zu verlieren und positiv nach vorn zu schauen?


Bedürfnisse, Erwartungen und Wege aus dem Dilemma


Ich kann nur aus meiner Erfahrung berichten und versuchen, meinen Weg zu beschreiben, dieses Dilemma unter Kontrolle zu bekommen. Ich glaube, jeder Tierfreund, der sich irgendwann in seinem Leben für ein eigenes Pferd oder eine Reitbeteiligung entscheidet, hat dessen Wohlergehen im Blick und würde alles dafür geben, dass es gesund und glücklich ist. Aber was bedeutet dieser Wunsch eigentlich für unser Pferd? Gutes Futter – aber nicht zu viel, sonst wird es fett, viel frische Luft – aber brauchen wir nicht eine Decke, falls es kälter wird? Welche Einstreu? Wieviel Weidegang? Es gibt so viel zu bedenken und es macht auch Sinn, sich mit diesen Fragen intensiv auseinanderzusetzen.

Aber es gibt noch mehr Bereiche, die wir im Blick haben sollten. Auch wir selbst spielen eine Rolle. Unsere Resourcen, unsere freie Zeit, unsere Familie und Freunde, die Erwartungen an uns haben. Worauf will ich hinaus? – Auch wir haben Bedürfnisse, die wichtig für unser Wohlergehen sind. Werden diese Bedürfnisse nicht erfüllt, leiden wir. Es entstehen negative Emotionen und ganz viel Frust, manchmal auch Wut.

Ein Beispiel: Der Reiter hat gerade Feierabend, musste Überstunden schieben. Er möchte einen Ausgleich zum stressigen Alltag und freut sich auf einen netten Ausritt mit seinem Pferd. Leider wartet auch daheim die nächste Aufgabe, weshalb er seine freie Zeit eng getaktet hat und diese dann optimal nutzen will. Er hat den „gemütlichen“ Ausritt zwischen zwei Verpflichtungen geplant. Unser Lebewesen Pferd hat einen solchen Timer nicht. Es existiert im Hier und Jetzt, denkt nicht an nachher, gestern, vorhin oder morgen. Und es funktioniert nicht wie eine Maschine. Es ist vielleicht schreckhafter als sonst, es vermisst seine Pferdefreunde mehr als sonst, es hat Hunger oder ein anderes Trainingsproblem taucht auf. Es weiß nicht, dass der Reiter einen wichtigen Termin um 19 Uhr hat. Es spürt aber die Ungeduld und den Stress, den der Reiter mitbringt. Der Mensch hat nun 2 Möglichkeiten, um zu reagieren: Entweder er zieht sein Programm durch – oder besser: versucht es. Denn an einen gemütlichen Ausritt ist mit einem schreckhaften Zeitgenossen nicht zu denken. Oder: er stellt sich auf seinen Vierbeiner ein und passt seinen Plan an die Umstände an. Das bedeutet im vorliegenden Beispiel: Er verzichtet auf den Ausritt, weil er spürt, dass es Probleme geben wird und widmet sich dem Pferd mit seiner Problematik. Bei Unruhe empfiehlt sich hier ein kurzes aber intensives Anti-Schreck-Programm. Oder ein Spaziergang beruhigt die Gemüter des Pferdes. Es gibt viele Möglichkeiten, die wenige Zeit sinnvoll zu nutzen.


Die Lösung – unsere Einstellung



Und hier komme ich zur Haltung bzw. Einstellung als verantwortungsvoller Reiter bzw. Pferdehalter: Das Pferd bestimmt die Aktion. Nicht im Sinne von Ranghöhe und Respektlosigkeit. In Wahrheit erkennt das Pferd diese Gedankenmuster des Menschen gar nicht. Sondern indem der Mensch zum Wohle des Pferdes umdisponiert., seinen Plan umstellt, weil er weiß, dass das Pferd dies jetzt braucht. Denn ich als Halter und Reiter bin für das Pferd ganzheitlich verantwortlich. Ich fördere es bestmöglich, auch wenn das heißen mag, dass ich auf den wohlverdienten Ausritt verzichten muss. Aber mal ganz ehrlich: Ist das denn wirklich so ein Drama? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich die besten und schnellsten Ergebnisse erziele, wenn ich mich auf mein Pferd einstelle. Vielleicht war ich ja schon 3 Schritte voraus und habe einige wichtige Zwischenziele im Training übersehen. Auch mir passiert es immer wieder, dass das Pferd mich berichtigt und aufmerksam macht, dass ich zu schnell vorgehe. In meiner Rolle als Trainerin kann ich mich gut an ein Pony erinnern, welches ich gymnastizieren wollte, um den Rücken zu stärken und es allgemein geschmeidiger zu machen. Meine Idee: Doppellonge bzw. das Fahren vom Boden aus. Eigentlich eine tolle Methode, um das Pferd zu bewegen ohne aufzusteigen. Leider erklärte mir das Pony in der ersten Übungseinheit sehr deutlich, dass es lange Leinen an der Kruppe und an den Hinterbeinen überhaupt nicht aushalten kann, indem es den Hintern einzog, nach vorn preschte und völlig verängstigt schaute. Jetzt lag es an mir, damit umzugehen. Also bin ich gefühlte 100 Schritte zurückgegangen und begann mit Anti-Schreck-Training: Rascheltüten, große Folie und natürlich immer wieder die Longe kamen zu Einsatz. Die Besitzer hatten zum Glück die gleiche Einstellung wie ich: Es dauert so lange es dauert. Und nach bereits 3-4 Einheiten konnte ich den eigentlichen Plan wieder aufnehmen. Doppellonge war ab diesem Zeitpunkt kein Thema mehr.


Geduld und Einfühlungsvermögen


Was ich damit sagen will: Wer geduldig an das Lebewesen Pferd herangeht, wer sich im Training auf das Pferd einlässt, hinschaut, hinhorcht und offen bleibt für Überraschungen, hat mittel- und langfristig viel Freude mit dem Pferd. Pferd und Mensch entwickeln sich immer nur gemeinsam. Deshalb ist für mich Beritt im herkömmlichen Sinn für meine Pferde nie in Frage gekommen. Deshalb trainiere ich Pferd und Mensch auch immer als Einheit. Und ich muss zugeben: Diese Art der Herangehensweise kann unheimlich viel Spaß machen! Ich bin offen für das, was das Pferd mir anbietet. Dann bleibt auch der Frust aus, denn meine Erwartungen sind weniger starr. Ich bin flexibler im Denken und Planen, was sich auf meine gesamte Persönlichkeit und demnach auch auf andere Lebensbereiche auswirken kann. Das Leben mit Pferden ist gelebte Persönlichkeitsentwicklung.


Viel Spaß mit euren Pferden wünscht

Eure Katharina



P.S.: Wenn ihr euch für diese Art von Training interessiert und mehr über Ziele und Mini-Ziele wissen wollt, schaut euch meinen Blogbeitrag „Mini-Schritte“ an und lasst euch inspirieren!

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