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  • Katharina Harenberg

Von kleinen Zielen und Mini-Schritten

Gutes Training hat viele Facetten. Viele erfolgreiche Pferdetrainer preisen ihren Weg als DEN Weg an und haben sicherlich nicht unrecht. Da gibt es Horsemen aus der Westernreiterei, es gibt Parelli-Anhänger, Michael Geitner, Bernd Hackl und etliche mehr, die ihre Methode als den Schlüssel zum Erfolg anpreisen. Ich selbst habe mich von einigen inspirieren lassen, ich habe Bücher gelesen, Videos geschaut und viel im Internet gestöbert.


Mein Ansatz


Dabei fiel mir eines immer wieder auf: Das Training mit dem Pferd braucht System. Es braucht einen Plan, einen roten Faden, der sich durch die Arbeit mit und am Pferd zieht, der mir Orientierung gibt. Doch wie genau gestaltet sich dieses planvolle Vorgehen? Schließlich habe ich es mit einem Lebewesen zu tun, welchen kaum wie eine Maschine nach meinen Vorstellungen funktioniert, sondern seinen eigenen Kopf hat, eigene Gefühle, eigene Erfahrungen mitbringt, die sich positiv wie negativ im Verhalten äußern können. Die Zeit mit meinen Ponys war nicht immer leicht. Wir hatten etliche Schwierigkeiten zu überwinden. Dabei fiel mir eines auf: Schwierigkeiten sind immer ein Zeichen, dass das Pferd es noch nicht verstanden hat oder eine eigene Entscheidung trifft. Das heißt, wir als Besitzer und Trainer haben den Auftrag, es dem Pferd zu erklären, damit es verstehen kann und begreift, dass unser Weg der bessere ist. Dann kann es uns mehr und mehr vertrauen und sich auf unsere Vorschläge einlassen. Also habe ich die Aufgabe, die das Pferd bekommt, in Zwischenschritte zerlegt. Das klingt zunächst mühsam, macht aber unterm Strich viel mehr Sinn und spart auch Zeit. Das ist paradox und dennoch stimmt es.


Ein Beispiel


Mich hat einmal eine junge Frau angesprochen und von ihrem Pferd erzählt. Grundsätzlich kam sie gut mit ihm zurecht, es gab nur ein einziges Problem: Das Pferd ging nicht durch Pfützen. Und bei einem Kutschpferd, dass teilweise tatsächlich mal einer Pfütze begegnen muss, ist das ein großes Problem. Denn es bleibt stehen und weigert sich, weiterzugehen. Bei großen Pfützen bedeutet das das Ende der Fahrt. Die Besitzerin hatte vieles schon probiert, aber kam mit dem Pfützenproblem nicht weiter. Sie hatte bisher immer mit Pfützen trainiert. Ist ja auch eigentlich total logisch. Dennoch stellte sich keine Besserung ein. Mein Rat: Gehe mehrere Schritte zurück! Wenn die Pfütze das Problem ist, dann weißt du, dass das Pferd Probleme mit der Sicherheit am Boden hat. Und genau da setzt das Training an! Zunächst sollte man also verschiedene Böden testen und herausfinden, was das Pferd gut kann und wo seine Grenzen sind. Also beginnt man mit Stangen, dann mit einer Plane, die raschelt. Geht das Pferd über diese Plane? Ist es besorgt? Folgt es uns, weil wir ihm die Sicherheit geben und den Weg zeigen? Da es sich um eine neue Situation handelt, folgt das Pferd meist williger als mit altbekannten Schreckgespenstern (hier die böse Pfütze). Das ist unsere Chance als Trainer. Das Pferd lernt nun, uns zuzuhören und macht die Erfahrung, dass nichts schlimmes passiert. Im Gegenteil wird es gelobt. Der nächste Schritt wäre eine Plane, die voll Wasser gespritzt wurde und somit nass ist und an eine Pfütze erinnert. Da das Pferd gute Erfahrungen mit der Plane und den Stangen gemacht hat, wird es auch diese Herausforderung eher annehmen. Ab da ist es nur noch eine Frage der Wiederholung. Und erst, wenn die nasse Plane völlig stressfrei funktioniert, wird sich erneut an eine „echte“ Pfütze gewagt. Ich den meisten Fällen sollte diese dann kein Problem mehr sein. Und wenn doch: Geht einen Schritt zurück und zerlegt die Aufgabe in noch kleinere Zwischenschritte.


Mir macht diese Art von Training auch unheimlich viel Spaß, weil man zusehen kann, wie es im Hirn des Pferdes arbeitet. Wenn man planvoll vorgeht, wird das Pfützenproblem – und jegliche Schwierigkeit – bald schon kein Thema mehr sein.


In diesem Sinne: Werdet kreativ und gebt eurem Pferd lösbare (!) Aufgaben. Dann wird es schneller als ihr denkt über sich hinauswachsen. Viel Spaß dabei wünscht eure


Katharina

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